siehe auch: Figurenbrut und Marcofinkenstein.de
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Donnerstag, 31. Dezember 2009
Freundschaft
Er klingelte wie immer - wie man eben so vor einer Tür stehend klingelt, wenn man rein will. Man drückt den Knopf und wartet. Man hört Schritte von der anderen Seite und dann öffnet sich die Tür mit einem Schwung. Sofern man unangemeldet ist, blickt man in ein mehr oder weniger fragendes Gesicht.
Er klingelte also wie immer - nur mit dem Unterschied, dass er nicht die Absicht hatte, in ein fragendes Gesicht zu blicken. Er wollte nur rein und die Wohnung anzünden. Sein Rucksack war vollgeladen mit Kanistern aus hochentzündlichen Flüssigkeiten. Blickkontakt stand nicht auf dem Programm.
Die Schritte näherten sich, die Klinke wurde betätigt, und es nahm alles seinen Lauf. Bevor sich die Tür noch richtig öffnen konnte, stieß er sie schon mit voller Wucht auf. Er stand schon in der Türschwelle, bevor die Dame irgend etwas sagen konnte. Wenig später machte er schon die ersten Schritte auf den Raum zu, den er im Visier hatte.
"Ruft die Polizei oder die Feuerwehr. Ist mir egal.", rief er ihnen zu. Dann war er bereits in dem schallisolierten Übungsraum verschwunden und begann eifrig, Benzin zu verschütten.

Drei Minuten später stand der Raum in lichterlohen Flammen, die Scheiben waren eingeschlagen - und inmitten des Infernos saß er, bereits stickige Qualmluft atmend. Er blutete stark: wo er sich an den Scheiben nicht aufgeschnitten hatte, hatte er nachgeholfen. Die Polizei war schon da, doch die Feuerwehr war gerade erst angekommen und fing an, den Schlauch bis hoch in den vierten Stock zu legen. Er hoffte, dass sie ihn nicht retten würden.

Es sollte zu seinem Zeichen der Freundschaft gehören, sich selbst mitsamt dieses Raumes zu verbrennen.

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Sonntag, 13. Dezember 2009
Tun...
Es besteht für mich die Möglichkeit zu einer neuen Schreibphase. Ein neuer Schub von Kreativität und Produktivität könnte angestoßen werden, denn ich meine gesehen zu haben, dass bereits allein das frei fließende Tun all die "Dinge" in eine hervorragende Ordnung stellt und großartige Einfälle und Vorschläge produziert.
Ich könnte dies nun wieder und intensiver "tun", dieses freie Tun...

Überhaupt ist ja das Schreiben eine Form des Tuns, die äußerst klar und direkt ist. Zu schreiben heißt auch Zuflucht zu nehmen zu einem Bereich seiner selbst, der im Grunde überhaupt nicht erkranken kann. Man nimmt Zuflucht zu einem Funktionsmodus der Perfektion. Gedanken verwirklichen sich mit großer Perfektion in die Materie hinein - wenn auch nur als 2-dimensionale Muster. Da ist keine Hemmung zwischen Absicht und Verwirklichung. Hat ein Gedanke sich genügend konkretisiert, ist über die Worte entschieden, passiert der Befehl zu schreiben mit maximaler Autonomie.
Meine Eigenart, mit großer, schwungvoller Schreibschrift leere DIN-A4-Blätter vollzuschreiben, liegt zum größten Teil in diesem Umstand begründet.

Doch praktisch: Was habe ich davon auf ganzheitlicher Ebene?

Tun, freies Tun, ist ein Genuß, einer, der so tief gehen kann, dass man den Sinn für die Großartigkeit des Lebens neu entdecken kann - und doch ist mir letztlich wenig geholfen, wenn ich diese Großartigkeit im praktischen Leben nur durch das Schreiben finden kann.
Nicht nur, dass dies allein mir wahrscheinlich kein Einkommen bringen kann (oder doch?) - ich strebe letztlich ja eigentlich nach einer Seins-Transformation, die in einem ganz anderen Bereich "getan" wird als dem Denken.

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Donnerstag, 10. Dezember 2009
Von einem der beiden großen Wege zum anderen herüberzuschwenken würde bedeuten, dass ich 90% meiner Erfahrungen auf dem alten Weg einfach so aufgeben müsste...

Ich werde es wohl tun. Das Thema "Glaube" stachelt mich einfach zu sehr an; es auf den Prüfstand stellen und sich ihm immer stärker hergeben - das ist eine verlockende Herausforderung.

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